Hilft Mundspülung gegen Viren und Erkältung?

Aktualisiert im Oktober 2026, Lesezeit etwa 4 Minuten, von der Redaktion mundspuelung.com

Einige Mundspülungen, etwa mit Cetylpyridiniumchlorid (CPC) oder Povidon-Iod, können die Menge bestimmter Viren im Speichel kurzzeitig verringern. Das zeigen vor allem Laborversuche und kleinere Studien. Einen Schutz vor Erkältung, Grippe oder COVID-19 bietet eine Mundspülung gegen Viren nach heutigem Wissen nicht, denn Viren vermehren sich vor allem in Nase, Rachen und Atemwegen, die eine Spülung kaum erreicht.

Wann zum Arzt? Eine Mundspülung ersetzt keine ärztliche Abklärung, wenn:

  • hohes Fieber, Atemnot oder starkes Krankheitsgefühl auftreten
  • Halsschmerzen länger als eine Woche anhalten oder sehr stark sind
  • Sie kaum schlucken oder den Mund nicht richtig öffnen können
  • Bläschen oder Geschwüre im Mund großflächig sind oder nicht abheilen
  • Sie zu einer Risikogruppe gehören, etwa durch Immunschwäche, Schwangerschaft oder eine chronische Erkrankung

Was die Forschung zu Mundspülungen und Viren zeigt

Seit 2020 wurde intensiv untersucht, ob Mundspülungen die Übertragung von Atemwegsviren beeinflussen können. Dabei lassen sich drei Arten von Ergebnissen unterscheiden:

  1. Laborversuche: Im Reagenzglas machen mehrere Wirkstoffe bestimmte Viren innerhalb kurzer Zeit unschädlich, vor allem sogenannte behüllte Viren wie Corona- und Grippeviren. Dazu zählen CPC, Povidon-Iod und Spülungen mit ätherischen Ölen und Alkohol.
  2. Studien zur Viruslast im Speichel: In einigen kleineren Studien sank die Virusmenge im Speichel nach dem Spülen. Der Effekt hielt aber nur begrenzte Zeit an, und nicht alle Studien fanden ihn.
  3. Infektionsschutz: Ob Spülen Ansteckungen verhindert, ist nicht belegt. Dafür fehlen große, gut kontrollierte Studien mit dem Ergebnis „weniger Infektionen“.

Ergebnisse aus dem Labor lassen sich nicht direkt auf den Menschen übertragen. Im Mund werden Wirkstoffe durch Speichel verdünnt, und neue Viren gelangen ständig aus Nase und Rachen nach.

Wirkstoffe im Überblick

WirkstoffWas untersucht wurdeEinordnung
Cetylpyridiniumchlorid (CPC)Wirkung auf behüllte Viren im Labor, Viruslast im Speichelvielversprechend im Labor, klinisch kurzzeitig; kein belegter Infektionsschutz
Povidon-IodLabor und kleine klinische StudienArzneimittel, nicht für Daueranwendung; nicht bei Schilddrüsenerkrankungen ohne ärztliche Rücksprache
Ätherische Ölevorwiegend LaborversucheDaten für den Menschen begrenzt
ChlorhexidinLabor und einzelne klinische Studienstark gegen Bakterien, gegen Viren uneinheitliche Ergebnisse
WasserstoffperoxidViruslast im Speichelüberwiegend kein überzeugender Effekt gezeigt

Povidon-Iod-Lösungen sind Arzneimittel aus der Apotheke. Sie können bei Schilddrüsenerkrankungen, in der Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Iod-Überempfindlichkeit ungeeignet sein. Beachten Sie die Packungsbeilage, und lassen Sie sich in der Apotheke beraten.

Warum eine Mundspülung keinen Infektionsschutz bedeutet

  • Falscher Ort: Atemwegsviren vermehren sich vor allem in den Schleimhäuten von Nase, Rachen und Bronchien. Die Mundspülung erreicht davon nur einen kleinen Teil.
  • Kurze Wirkdauer: Selbst wenn die Viruslast im Speichel sinkt, steigt sie mit der Zeit wieder an.
  • Ansteckungswege: Viren werden über Tröpfchen und Aerosole beim Atmen, Sprechen und Husten verbreitet, nicht nur über den Speichel im Mund.
  • Kein Ersatz für bewährte Maßnahmen: Impfungen, Abstand, Lüften, Händewaschen und bei Krankheit zu Hause bleiben sind gut belegt.

In Zahnarztpraxen wird teils vor Behandlungen gespült, um die Keimzahl in den Aerosolen zu senken. Das ist eine ergänzende Hygienemaßnahme für eine besondere Situation, kein Modell für den Alltag.

Mundspülung bei Erkältung und Halsschmerzen

Bei einer Erkältung kann Gurgeln die Beschwerden lindern, etwa mit lauwarmem Salzwasser oder Salbeitee. Das befeuchtet und beruhigt die Schleimhaut, verkürzt die Erkältung aber nach bisherigem Wissen nicht. Bei starken Halsschmerzen gibt es Lösungen mit schmerzlindernden Wirkstoffen aus der Apotheke. Welche Optionen es gibt, erklärt der Ratgeber Mundspülung bei Halsschmerzen. Richtig gurgeln lässt sich übrigens leicht lernen, siehe Gurgeln mit Mundspülung.

Viren im Mund: Herpes, Aphthen und Co.

Auch einige Erkrankungen im Mund werden durch Viren ausgelöst, etwa Lippenherpes, die Mundfäule bei Kindern oder die Hand-Fuß-Mund-Krankheit. Antiseptische Spülungen bekämpfen das Virus selbst dabei nicht. Sie können aber helfen, wunde Stellen sauber zu halten und eine zusätzliche bakterielle Infektion zu verhindern. Gegen Schmerzen gibt es betäubende Gele aus der Apotheke. Aphthen werden dagegen nicht durch Viren verursacht, mehr dazu unter Mundspülung bei Aphthen.

Wann eine Mundspülung trotzdem sinnvoll ist

Unabhängig von Viren hat eine Mundspülung ihren Platz, etwa bei Zahnfleischproblemen, Mundgeruch oder nach Eingriffen. Wer krank im Bett liegt und weniger putzt, kann mit einer milden, alkoholfreien Spülung die Mundhygiene vorübergehend unterstützen. Fieber und Mundatmung trocknen den Mund aus. Alkoholhaltige Produkte sind dann weniger angenehm. Trinken Sie ausreichend und putzen Sie die Zähne weiter, auch wenn Sie sich schlapp fühlen.

Häufige Fragen

Schützt Listerine vor Corona?

Nein, ein Schutz vor einer Ansteckung ist nicht belegt. Im Labor zeigten Spülungen mit ätherischen Ölen eine Wirkung gegen Coronaviren, im Mund hält ein möglicher Effekt aber nur kurz an. Bewährte Schutzmaßnahmen ersetzt das nicht.

Kann ich mit Mundspülung eine Erkältung schneller loswerden?

Dafür gibt es keine belastbaren Belege. Gurgeln kann Halsbeschwerden lindern und den Rachen befeuchten. Die Dauer der Erkältung hängt aber vom Immunsystem ab.

Wirkt Chlorhexidin gegen Viren?

Chlorhexidin wirkt vor allem gegen Bakterien. Gegen einige behüllte Viren zeigte es im Labor eine gewisse Wirkung, die Ergebnisse sind aber uneinheitlich. Für einen Einsatz gegen Atemwegsinfekte ist es nicht vorgesehen.

Sollte ich bei Erkältung die Zahnbürste wechseln?

Ein Wechsel nach einer Erkältung schadet nicht und ist ohnehin alle drei Monate sinnvoll. Dass man sich über die eigene Zahnbürste erneut ansteckt, ist aber nicht belegt. Wichtiger ist, dass die Bürste trocknen kann und nicht mit anderen Bürsten in Berührung kommt.

Dieser Ratgeber informiert allgemein und ersetzt keine zahnärztliche oder ärztliche Untersuchung. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Zahnarztpraxis. Bei Arzneimitteln gilt: Packungsbeilage lesen und bei Fragen Ärztin, Arzt oder Apotheke fragen.