Mundpflege bei Chemotherapie: Welche Spülung ist geeignet?
Während einer Chemotherapie ist eine sorgfältige, schonende Mundpflege die wichtigste Maßnahme gegen eine Mundschleimhautentzündung (orale Mukositis): weiche Zahnbürste, regelmäßiges Spülen mit milden Lösungen wie Kochsalz- oder Natron-Lösung und kein Alkohol im Mundwasser. Welche Spülung Sie konkret verwenden, legen Sie am besten mit Ihrem onkologischen Behandlungsteam fest, denn Empfehlungen hängen von Therapie, Blutwerten und Beschwerden ab.
Sofort das Behandlungsteam informieren, wenn eines dieser Zeichen auftritt:
- Fieber ab etwa 38 °C oder Schüttelfrost, besonders bei niedrigen weißen Blutkörperchen
- Sie können wegen Schmerzen nicht mehr ausreichend trinken oder schlucken
- Blutungen im Mund, die nicht von selbst aufhören
- weiße Beläge, Bläschen oder offene Stellen, die sich rasch ausbreiten
- Schmerzen, die mit den verordneten Mitteln nicht mehr beherrschbar sind
Außerhalb der Sprechzeiten wenden Sie sich an die Notfallnummer Ihrer Klinik oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117, bei akuter Gefahr an den Notruf 112.
Warum Chemotherapie die Mundschleimhaut angreift
Viele Zytostatika wirken auf Zellen, die sich schnell teilen. Dazu gehören nicht nur Krebszellen, sondern auch die Zellen der Mundschleimhaut. Die Schleimhaut wird dünner, rötet sich, brennt und kann offene Stellen bilden. Typisch beginnt eine Mukositis einige Tage nach der Gabe und klingt nach dem Ende des Zyklus wieder ab. Wie stark sie ausfällt, hängt vom Medikament, der Dosis und einer eventuell gleichzeitigen Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich ab.
Hinzu kommt, dass die Abwehr während der Therapie geschwächt sein kann. Pilzinfektionen wie Mundsoor oder Herpes-Infektionen treten dann häufiger auf und müssen gezielt behandelt werden. Auch Mundtrockenheit und Geschmacksveränderungen sind häufig.
Was Leitlinien zur Mundpflege empfehlen
In Deutschland bündelt die S3-Leitlinie zur Supportivtherapie bei onkologischen Patientinnen und Patienten (Leitlinienprogramm Onkologie) die Empfehlungen zum Umgang mit Nebenwirkungen, darunter auch die orale Mukositis. International gibt es entsprechende Empfehlungen von Fachgesellschaften für Supportivtherapie. Gemeinsamer Kern ist eine konsequente Basis-Mundpflege. Für einzelne Spülungen ist die Studienlage oft begrenzt, deshalb unterscheiden sich die Empfehlungen je nach Therapie und Klinik.
Diese Seite gibt einen allgemeinen Überblick. Maßgeblich sind die Empfehlungen Ihres Behandlungsteams, das Ihre Therapie, Ihre Blutwerte und eventuelle Wechselwirkungen kennt.
Welche Spülungen kommen bei Chemotherapie infrage?
| Spülung | Einsatz | Hinweis |
|---|---|---|
| Kochsalzlösung | milde Reinigung, mehrmals täglich | gilt als gut verträglich; selbst hergestellt oder als sterile 0,9-%-Lösung aus der Apotheke |
| Natron-Lösung (Natriumhydrogencarbonat) | löst zähen Schleim, neutralisiert Säure | schmeckt salzig-seifig, oft mit Kochsalz kombiniert |
| Klares Wasser | Befeuchten bei Mundtrockenheit | häufig, in kleinen Schlucken |
| Dexpanthenol, Kamille, Salbei | beruhigend | nur alkoholfrei und nach Rücksprache; Belege begrenzt |
| Schmerzlindernde Spülungen (z. B. Benzydamin, Lokalanästhetika) | Linderung bei bestehender Mukositis | Arzneimittel, nur nach ärztlicher Verordnung oder Beratung |
| Chlorhexidin | gezielte Keimreduktion, etwa bei Zahnfleischproblemen | zur reinen Vorbeugung der Mukositis nicht routinemäßig empfohlen; kann brennen |
Eine einfache Kochsalzlösung stellen Sie her, indem Sie einen gestrichenen Teelöffel Salz (etwa 5 g) in etwa einem Liter abgekochtem, lauwarmem Wasser lösen; täglich frisch ansetzen. Mehr zur Herstellung lesen Sie unter Salzwasser-Mundspülung. Bei Natron gilt meist ein Teelöffel auf ein großes Glas Wasser, die genaue Mischung nennt Ihnen das Behandlungsteam.
Welche Mundspülungen Sie meiden sollten
- Alkoholhaltige Mundspülungen: Sie brennen, trocknen die Schleimhaut aus und können sie zusätzlich schädigen. Verwenden Sie nur alkoholfreie Produkte.
- Wasserstoffperoxid: kann die empfindliche Schleimhaut reizen und die Heilung stören.
- Stark aromatisierte Spülungen: viel Menthol, Zimt oder Eukalyptus wird während der Therapie oft schlecht vertragen.
- Hausmittel auf eigene Faust: etwa Apfelessig, Zitronensaft oder unverdünnte ätherische Öle.
Mundpflege vor, während und nach der Chemotherapie
- Vor Therapiebeginn zum Zahnarzt: Entzündungsherde, kariöse Zähne und scharfe Kanten sollten möglichst vorher behandelt werden. Sprechen Sie das Thema beim Aufklärungsgespräch an.
- Weiterputzen: zweimal täglich mit einer weichen oder extra weichen Bürste und milder Fluorid-Zahnpasta, auch wenn die Schleimhaut empfindlich ist.
- Regelmäßig spülen: nach jeder Mahlzeit und vor dem Schlafen mit der vom Team empfohlenen Lösung.
- Zahnzwischenräume vorsichtig reinigen: nur, wenn das Behandlungsteam bei Ihren Blutwerten (vor allem Blutplättchen) zustimmt.
- Lippen und Mund feucht halten: viel trinken, Lippenpflege verwenden, bei Bedarf Speichelersatz.
- Prothesen schonen: nur zum Essen einsetzen, täglich reinigen, bei Druckstellen herausnehmen.
- Täglich nachsehen: den Mund mit Licht und Spiegel anschauen und Veränderungen früh melden.
Bei manchen Chemotherapien empfehlen Kliniken, während der Infusion Eiswürfel oder Eiswasser im Mund zu halten (orale Kryotherapie), weil die Kälte die Durchblutung der Schleimhaut kurzzeitig verringert. Das ist nur bei bestimmten Medikamenten sinnvoll und bei anderen sogar ungeeignet. Wenden Sie es deshalb nur an, wenn Ihr Behandlungsteam es ausdrücklich vorsieht.
Essen und Trinken bei wunder Mundschleimhaut
Weiche, lauwarme und nicht saure Speisen sind am besten verträglich, etwa Kartoffelbrei, Suppen, Joghurt oder Haferbrei. Meiden Sie scharf Gewürztes, Saures, sehr Heißes, Hartes und Krümeliges sowie Alkohol und Rauchen. Wenn Essen und Trinken kaum noch möglich sind, braucht es ärztliche Unterstützung, im Zweifel auch eine Schmerztherapie oder Ernährungsberatung. Allgemeine Hinweise zu entzündeter Schleimhaut finden Sie im Ratgeber Mundschleimhautentzündung, zu Trockenheit unter Mundtrockenheit.
Häufige Fragen
Darf ich während der Chemotherapie meine normale Mundspülung verwenden?
Das hängt vom Produkt ab. Alkoholhaltige oder stark aromatisierte Spülungen sind während der Therapie meist ungeeignet. Fragen Sie Ihr Behandlungsteam, ob Ihre gewohnte Spülung weiter infrage kommt oder ob Sie auf eine milde Lösung umsteigen sollten.
Wie oft sollte ich bei Chemotherapie spülen?
Häufig empfohlen wird, nach jeder Mahlzeit und vor dem Schlafengehen zu spülen, bei Beschwerden auch öfter. Die konkrete Häufigkeit legt Ihre Klinik fest, viele geben dazu schriftliche Pflegepläne aus.
Zahlt die Krankenkasse Mundspülungen bei Chemotherapie?
Ärztlich verordnete Arzneimittel werden in der Regel erstattet, frei verkäufliche Pflegeprodukte meist nicht. Was im Einzelfall gilt, erfahren Sie bei Ihrer Krankenkasse; einen Überblick gibt Mundspülung auf Rezept.
Hilft Mundpflege auch bei Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich?
Ja, dort ist die Mundpflege sogar besonders wichtig, weil Schleimhaut und Speicheldrüsen direkt im Bestrahlungsfeld liegen. Die Zahnärztin oder der Zahnarzt sollte vor Beginn eingebunden werden, oft gehört auch eine Fluoridierungsschiene zum Konzept.
Dieser Ratgeber informiert allgemein und ersetzt keine zahnärztliche oder ärztliche Untersuchung. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Zahnarztpraxis. Bei Arzneimitteln gilt: Packungsbeilage lesen und bei Fragen Ärztin, Arzt oder Apotheke fragen.